Holzmaden


Betrachtet man Fossilien als Zeitzeugen der Entwicklung des Lebens, so stellt man fest, dass diese zumeist nur sehr lückenhaft überliefert sind.
Eine der wenigen Ausnahmen sind die weltberühmten Funde aus der Zeit des oberen Schwarzen Jura aus den Lagerstätten Holzmaden, Ohmden, Zell und Bad Boll am Fuße der Schwäbischen Alb.
Ihr Bekanntheitsgrad ist der sehr guten Erhaltung der Fossilien, der gewerblichen Nutzung der Schieferbrüche und einer seit drei Generationen gezielt betriebenen wissenschaftlichen Forschung und Präparation der Versteinerungen zuzuschreiben.
Hierbei gilt es besonders Herrn Dr. h.c. Bernhard Hauff und seine Familie zu erwähnen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen, sich intensiv um die Bergung und Präparation der Versteinerungen im elterlichen Steinbruch zu kümmern. Inmitten der Fossilienfundstätten entstand 1936/37 ein kleines Museum, das 1967/68 einem Neubau wich, der 1993 neu gestaltet wurde. ( www.urweltmuseum.de )
180 Millionen Jahre alte Plesiosaurier, Fische, Ichthyosauren, Seelilien, Krokodile, Ammoniten und vieles mehr liegen versteinert im Posidonienschiefer und erzählen aus einer Zeit, als ganz Europa durch ein tropisches Meer bedeckt war. Holzmaden lag damals inmitten des Jurameeres, etwa 150 km von der nächsten Küste entfernt....
Obwohl in den 30er Jahren etwa 30 Schieferbrüche mit etwa 100 Arbeitern in Betrieb waren, wurden zu dieser Zeit lediglich acht brauchbare, das heißt, präparationswürdige Saurier gefunden.
Das bedeutet, dass ein Team von zwölf Arbeitern etwa ein Jahr graben müsste, um einen gut erhaltenen Ichthyosaurus zu entdecken. Krokodile, Plesiosaurier und Flugsaurier sind noch seltener zu finden.
Die Versteinerungen liegen in einer Tiefe zwischen vier und zehn Metern im Schiefer eingebettet und lediglich an den Bruchkanten der Steinplatten lassen sich die braunen Knochenkonturen im grauen Gestein ausmachen.
Die geschulten Steinbrecher versuchen den Fund möglichst vollständig zu bergen um ihn dann in die Werkstatt zum Präparieren zu bringen.
Bei der Zeit raubenden Präparation werden Knochen für Knochen mittels Meisel, Schaber und Sandstrahlgerät von ihrer Schieferhülle befreit. Je genauer und vollständiger diese anstrengende Arbeit ausgeführt wird, desto schöner wird später das Präparat. Geduld, paläontologisches Verständnis und handwerkliches Geschick sind hierbei erforderlich
Danach werden die Platten mit dem fossilen Fund wieder zusammengefügt. Sie wurden in früheren Jahren auf der Rückseite eben gearbeitet und dann auf eine Holzplatte montiert.
Heute arbeitet man die vorpräparierten Stücke als Intarsien in bruchrauhe Schieferplatten ein, und so ist das ganze Fossil, wie es vor 170 Millionen Jahren in das Meeressediment eingehüllt wurde, wieder sichtbar.

(Photos by Urwelt-Museum Hauff und www.fossilien.de)